The Grossmann Family

Inhaltsverzeichnis

1. Aarburg : Gewerbe und Fabrikareal

Auf der obersten und linken Hälfte des beiliegenden Stadtplans Aarburg aus dem Jahr 1840 sind zwei grosse Gebäude sichtbar, die den Erben des verstorbenen Johann Jakob Grossmann (1754-1838) gehören.


Die Färberei und Textilfabrik entwickelte sich wie folgt :

 

  • Johann Jakob Grossmann aus Aarburg, gennant "Chräze-Joggi", war ein sogenannter Fergger, d.h. er arbeitete meist im Auftrag von Textilhändlern als Bindeglied zwischen Handel und Handwerk. Er sorgte für den Transport der Rohstoffe zu den Handwerkern oder Heimarbeitern, kontrollierte deren Arbeit, bezahlte ihre Löhne und sammelte die Zwischen- oder Fertigprodukte für den Handel wieder ein. Dieser Beruf taucht im 17. Jahrhundert auf. Zu dieser Zeit entwickelt sich der Handel mit den Rohstoffen (Wolle, Baumwolle, Garn später auch Seide) und deren handwerkliche Verarbeitung in Heimarbeit. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert beginnt die maschinelle Verarbeitung der Stoffe. Es entwickelt sich die textilverarbeitende Industrie dank einer neuen Erfindung :  James Hargreaves aus England erfand 1761 die erste industrielle Spinnmaschine zum Verspinnen von Wolle zu Garn.
  • 1817 : Johann Jakob Grossmann, der die Zukunft in solchen Maschinen sah,  gründet mit seinen zwei Söhnen Jakob (1786-1828) und Johann Rudolf (1790-1837) die Spinnerei und Weberei Grossmann & Cie. Es darf vermutet werden, dass solche Maschinen von Grossmann benutzt wurden. Die "Spinning Jenny" arbeitete noch ähnlich wie eine Handspindel, aber mit 16 Spindeln. Der Antrieb benötigte noch Muskelkraft, aber sie ersetzte 4-8 Spinner und ermöglichte schnelle Verbreitung in der Textilindustrie.
  • 1820 richtet Johann Jakob Grossmann an der Aare, wo sich die Gerberei befindet, eine Färberei ein. 
  • 1824 bekommen die Gebrüder Grossmann von der OBG Aarburg die Bewilligung zum Bau einer Fabrik und eines Wasserkraftwerks auf der Hammermatte am Mühletych. Denn um die Produktivität zu erhöhen, wurde eine neue Art von  Maschinen eingeführt, die sogennante "Waterframe" (das Wassergestell) von Arkwrights, die mit Wasserkraft angetrieben wurde. Die Maschine konnte von Hilfsarbeitern bedient werden. Das erzürnte die qualifizierten Textilarbeiter.
  • 1825 beginnt die Fabrik zu produzieren. Die Grossmann & Cie bringt als erste Firma in der Schweiz fertige und gefärbte Gewebe aus Rohbaumwolle auf den Markt. Aus der Gründungszeit sind die klassizistischen Fabrikbauten, insbesondere die monumentale Spinnerei mit ihren 21 Achsen zählenden Längsfronten, erhalten. Den Kernbauten des Fabrikareals sind mehrere Sheddachhallen vorgelagert.
  •  1836 erwirbt Grossmann von der OBG Aarburg Kupferhammer samt zugehöriges Land in der Hammermatte. Ursprünglich war der Standort durch den Mühletych gegeben, der später zu einem ausbetonierten Kanal mit künstlich aufgeschütteten Böschungen erweitert wurde, um Gefällsstufen zusammenzulegen. Der Betrieb sowie dessen Wasserwerk wurden auf der "Hammermatte" anstelle des Eisen- und Kupferhammers errichtet. Mit der Industrialisierung nahm der Energiebedarf sprunghaft zu. Die herkömmlichen Wasserwerke, sowie der Standort an kleinen Bächen genügte den neu aufkommenden Betrieben nicht mehr. Mit der Errichtung einer Baumwollfabrik in Aarbug wurde den alten mechanischen Gewerben "das Wasser abgegraben". Dort, wo die Wassermenge, wie am Aarburger Mühletych, ausreichend war, behinderte die Existenz vieler kleiner Wasserwerke die weitere Entwicklung. So kam es zum Zu- beziehungsweise Zusammenkauf der vorhandenen Wasserrechte, und in einem weiteren Schritt zur Vereinigung und Zusammenlegung der Anlagen.
  • Die Unternehmung gelangte zu grosser Blüte und grossem geschäftlichen Erfolg: Der Familie gehörte die Froburg, die hintere Mühle in Aarburg, Villen in Aarburg, Arbeiterhäuser mit 20 Wohnungen und viel Land (Quelle: Kurzinventar, kantonale Denkmalpflege Aargau).
  • 1844 schreibt Bronner «Grossartig sind die Anlagen der Grossmann‘schen Fabrik, die mechanische Baumwollen-Spinnerei, Coton-Manufactur, Blau- und Türkischroth-Färberei; dadurch werden eine grosse Menge Arbeiter beschäftigt ».
  • 1856 errichten Grossmann & Söhne eine Zweigstelle in Murgenthal. Spinnerei, mech. Weberei, Färberei, Bleicherei, Appretur und mech Werkstätte mit 400 Arbeitern. 1867 wird diese Fabrik an die Firma Künzli & Cie verkauft, sie richtet eine Buntweberei darin ein.
  • Filialbetriebe entstanden auch in Brombach (1834) und Lörrach.
  • 1879 : Infolge export- und wirtschaftlicher Schwierigkeiten und nach mehrmaligen erfolglosen Sanierungsversuchen kam es zur Liquidation  und Schliessung des Werks in Aarburg.
  • 1880 wird die Fabrik in Aarburg von Felix Weber-Kubli erworben, er bringt sie mit seinen drei Söhnen (Felix, Caspar und Jakob) wieder in Gang.
  • 1920 wird die Fabrikation in die angegliederten Shedhallen verlagert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
  • 1992 Schliessung der Spinnerei
  • 1999 "Weber Textilwerke" schliesst
  • In den Fabrikanlagen siedeln sich daraufhin diverse Gewerbebetriebe an.
  • 2010 Der Gemeinderat Aarburg hat die Überbauung des Weber-Areals genehmigt. Bestellerin ist die Immobiliengesellschaft und Grundeigentümerin Fortimo Invest AG die dort den "Webipark" Immobilienprojekt startet.

 

Folgende Liegenschaften befinden sich auf dem Kurzinventar, kantonale Denkmalpflege, Aarburg: Nr. 903, Villa, und 904, Fabrikareal, 920 Wohnhaus am Tych; ursprünglich wohl gewerblich genutzt, Nr. 931 Wuhranlagen am Tych.

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Quellen:- Bronner, Franz Xaver. Kanton Aargau, Bd. 1. Bern 1844, S. 503.
- Rey, Adolf. Die Entwicklung der Industrie im Kanton Aargau. Aarau, 1937, S. 83 ff.
- Bolliger, Jakob. Aarburg. Festung, Stadt und Amt. Beiträge zur Lokalgeschichte. Aarburg 1970, S. 358.
- Adressbuch des Kantons Aargau, Rheinfelden 1864.
- Aarburger Neujahrsblätter 1984. S. 3 ff.
- Kurzinventar, kantonale Denkmalpflege Aargau
- Museum Aarburg.

 

 Oben rechts und links : die Färberei und die Gerberei

"Waterframe" Wasserkraft Spinnmaschine

"Die "Spinning Jenny"

 

 Fangspiel mit einer alten  Spindel der Grossmann

Fabrik

Die meisten Arbeiter waren Frauen o.junge Mädchen

Mechanische Baumwollen-Spinnmachine

Das Weber-Areal (bzw. Grossmann Areal) um 1950Villa (oberes Drittel, Mitte)

Fabrikgelände (rechte Bildhälfte) und Grossmann-Allee

(von Bildmitte nach links verlaufend)

Das Grossmann- bzw. Weber-Areal

Hier soll jetzt das Immobilienprojekt "Webipark" stattfinden

Der rote Punkt zeigt die Grossmann Villa im Fabrik-ArealDer rote Punkt zeigt die Grossmann Villa im Fabrik-Areal

2. Brombach  :  Textilfabrik (1837-1937)

Die vorhandene Wasserkraft sowie der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein führte zur Entwicklung der Industrie im Wiesental, an der maßgeblich Schweizer Kaufleute beteiligt waren. Der Ort wurde so zu Beginn des 19. Jahrhunderts Sitz einer Garnfabrik und Weberei, errichtet von der Familie Grether aus Lörrach. Es folgte die Verlegung einer Wolltuchfabrik aus Basel an den Brombacher Teich, die dann 1834 von den Gebrüdern Großmann erworben wurde. Sie erweiterten die Wollfabrik mit einer Baumwoll-Spinnerei, Weberei und Färberei und bauten die Fabrik am Standort Brombach laufend aus.

 

Die Textilfabrik trug zur Industrialisierung Brombachs bei und bestimmte das wirtschaftliche Leben des Ortes für viele Jahrzehnte maßgeblich.

Große Bedeutung für die Entwicklung des Ortes hatte auch hier der von den Gebrüdern Großmann betriebene Arbeiterwohnungsbau.


Das Unternehmen ist am  24.8.1916 (mit Wirkung ab 1.9.1916; eingetragen 27.9.1916) eine Aktiengesellschaft geworden.

Sie war das bis 1914 erfolgreichste Textilunternehmen Deutschlands. Es wurden Baumwoll- und Kunstseidenstoffe, insbesondere für die Wäscheindustrie hergestellt.


Der Betrieb wurde Ende 1931 eingestellt, die Gesellschaft danach liquidiert; die Abwicklung war 1943 noch nicht abgeschlossen. Die Betriebsstätten wurden 1937 von Wilhelm Schöpflin übernommen.

1948 wurden Betriebsteile des Versandhauses Schöpflin-Haagen GmbH von Haagen nach Brombach in die Gebäude auf dem Gelände der Fa. Gebr. Großmann verlegt.

 

Das Versandhaus wurde 1964 dem Versandhaus Quelle

angeschlossen. In Brombach wurde ein modernes Versandhaus errichtet, dessen Nutzung wegen Standortwechsel 1999 aufgegeben wurde.

 

 

 Aktie über 1.000 Mark, später auf 20 RM umgestempelt als sich die

Finanzlage sich verschlechterte

 

 Industrie in Brombach

 

 Aktie über 100 Mark au dem Jahr 1927

Reklame veröffentlicht 1926 im Anhang des Buches "Das Land Baden"

3.  Die Froburg ob Olten

Als die Textilunternehmung zu grossem geschäftlichen Erfolg gelangte, erwarb die  Familie Grossmann - vermutlich in den Jahren 1840 - die Froburg.


Es handelt sich um eine herrliche bergwirtschaftliche Domäne auf den Jurahügeln nördlich von Olten im Kanton Solothurn.

 

Unterhalb des Gebäude-Areals befinden sich, auf einer allseits steil abfallenden Felskuppe, die Ruinen der ehemals mächtigen Stammburg der Grafen von Froburg. Bereits um 1050 entstanden hier erste Befestigungsanlagen, die dann bis 1250 in mehreren Etappen ausgebaut wurden. Mit dem späteren Verfall des Hauses Froburg entvölkerte sich die Burg, und die Bauten zerfielen. Das Erdbeben von 1356 legt sie vollends in Trümmer. Die ursprüngliche Herkunft der Grafen von Froburg ist unklar. Aufzeichnungen aus dem 11. Jh. lassen vermuten, dass sie von einem Seitenzweig der Aargauer Gaugrafen abstammen. Bereits im frühen 12. Jh. hatten sie eine beachtliche Machtstellung. Vielfältige Gründe führten nach 1250 zum allmählichen Abstieg des Hauses Froburg. Mit Abt Hermann VI. von der Waldenburgerlinie starb die Familie 1366 aus.


Die Familie Grossmann blieb im Besitz bis 1868 (s. Zwicky von Gauen, Schweizerisches Familienbuch, Bd III, Zürich 1949, S. 100). Später,  erwarb Herr Auguste Robert-Tissot (1857-1907), Fabrikant in Fontainemelon (NE) die Froburg. Von diesem erwarb die Bürgergemeinde Olten die Froburg-Liegenschaften im Jahre 1897.

 

Froburg ob Olten wurde dann ein Kurhaus und Restaurant.

Heute wird dort immer noch ein Restaurant geführt.

Froburg ob Olten - Postkarte aus dem Jahr 1937

Mauerresten der Festung Froburg

4. Villa in Lörrach

Dieses Haus wurde vom Ehepaar Emil Grossmann (1821-1897) / Charlotte Adelheid (Adele) Herzog (1821-1901) gebaut und bewohnt.

Zur dieser Villa schreibt Emil G.R. Grossmann, in einer 1944 geschriebenen Kurzbiographie  über seinen Großvater Emil Grossmann, folgendes:  "Anfang der 1860er Jahren  baute sich unser Großvater in Lörrach gegenüber dem Bahnhof das heute noch stehende schöne Haus mit großem Park (heute Rathaus), worin ein flottes Leben geführt wurde."

Anfang der 1880er Jahren, wurde die Villa von den, aus Mulhouse stammenden, Gebrüder Eugène Favre (1841-1918) und Paul Favre (1851-1927), Inhaber der KBC (Koechlin, Baumgartner & Cie) erworben. Das Haus wurde dann auch später nur noch als "Villa Favre" bezeichnet.


Die ab dem 5. August 1927 als Rathaus genutzte Villa Favre in der Turmstraße 45 bot bereits in den 1930er Jahren nicht allen städtischen Ämtern genügend Platz, so dass 1934 das Stadtbauamt, das Fürsorge- und Jugendamt, das Grundbuch- sowie das Vermessungsamt in umgebaute Fabrikräume gegenüber dem Bahnhof umziehen mussten. Pläne für einen Erweiterungsbau im Garten der Villa scheiterten an Geldmangel und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verschärfte die Situation. Im Jahr 1955 wurde die Diskussion über die Raumnot erneut geführt und weitere zehn Jahre später waren die städtischen Behörden an fünf verschiedenen Standorten in Lörrach verteilt.


Um den gestiegenen Bedürfnissen und Anforderungen des Lörracher Verwaltungsbetriebs besser gerecht zu werden, wurde die Villa Grossmann/Favre 1971 abgerissen und, am selben Standort, wurde ein modernes 17-stöckige dunkelgrüne Hochhaus errichtet. Die  Arbeiten begannen in März 1972. Oberbürgermeister Egon Hugenschmidt weihte am 13. Juni 1976 das neue Rathaus ein ; deshalb trägt das Bauwerk auch den Spitznamen „Langer Egon“.

 Postkarte abgestämpelt "Lörrach 04.10.1971"

von Elise (Lisi) Grossmann (1876-1974) an ihre Neffin Magdalena (Macha) Grossmann (1917-1998)

Rückseite der Postkarte :

"(...). Das Haus auf dieser Karte hat der Grossvater Deines Vaters gebaut, jetzt wird es abgerissen. Mit herzlichen Grüssen. Tante Lisi.

5.  Haus in Uhingen

Dieses Haus wurde vom Ehepaar Emil Gottlieb Grossmann / Elise Wenner ab 1871 o. 1872 bis 1880 bewohnt.


In seinen Kurzmemoiren berichtet deren Sohn Emil G. R. über das dortige leben :


„Ich wurde am 8.3.1873 in Uhingen (Württemberg) geboren, wo mein Vater die dortige Fabrik, eine Färberei und Appreturanstalt, leitete, die dank seinem Fleiße und seiner Sachkenntnis einen raschen Aufschwung nahm. Aus ihr entstand die heutige große Stuttgart-Uhinger A.-G. für Weberei, Färberei und Appretur, deren langjähriger Direktor unser Onkel Karl Popp, der Mann der Schwester unserer Mutter, war. Insgesamt 5 von uns Geschwistern hatten im Laufe der Zeit in Uhingen das Licht der Welt erblickt, wo wir auf unserem „Landsitz“ – die Fabrik lag in freiem Felde, etwa 20 Minuten vom Ort Uhingen selbst entfernt – die Freiheit in vollen Zügen genossen. Am meisten attachierte ich mich an meinen Bruder Fritz – er war gerade 1 Jahr älter als ich – und wir machten die dortige Gegend durch unsere Streifzüge in Wald und Feld reichlich unsicher und mussten unsere Streiche sehr oft empfindlich büßen. Als Bruder Fritz in das schulpflichtige Alter kam, erhielt er einen Hauslehrer von der benachbarten Dorfschule in Uhingen. An diesen Unterrichtsstunden durfte ich schließlich auf mein dringendes Verlangen teilnehmen, und so wurden wir gemeinschaftlich unterrichtet. Wir haben unserem Lehrer manchen Kummer bereitet und manchen Schabernack gespielt, aber kamen doch ganz gut mit ihm aus, da wir nicht gerade auf den Kopf gefallen und seinen Weisungen zu folgen imstande waren. In späteren Jahren haben wir manchmal dankbar seiner gedacht, denn er hatte uns doch recht viel beigebracht, was uns erst später beim Vergleich mit anderen Lehrern richtig klar wurde. Im Jahre 1880 übersiedelten wir nach Brombach bei Lörrach (Baden), nachdem unser Vater aus dem Geschäft in Uhingen ausgeschieden war und eine Stellung in der Fabrik seiner Vettern in Brombach angetretten hatte.“


Das Haus blieb Familienbesitz bis in den 1950er Jahren. Das letzte Familienmitglied das hier wohnte war Magdalena Popp die einen tötlichen Verkehrsunfall erlitt. Das Haus ging dann im Besitz des deutschen Botschafter Rudolf Rahn . Es ist ungewiss ob es ihm verkauft oder vermacht wurde.

6.  Burg / Schloss Brombach

Ursprung der Burg (1294)

Aus dem Jahre 1294 gibt es eine erste Beschreibung der Burg in Brombach: "Versehen mit vier Rundtürmen an allen Ecken und über zwei Meter dicke Grundmauern", galt die Burg, deren Besitzer Matthias Reich von Reichenstein war, als uneinnehmbar. Es soll eine Wasserburg gewesen sein. Laut dem Brombacher Pfarrer Mulsow hatte der Schlossgraben eine Breite von 15 bis 20 Metern und war mindestens zwei Meter tief – damit war er ein kaum zu überwindendes Hindernis, zumal früher kaum jemand schwimmen konnte.


Im Jahr 1341 ging die Burg Brombach nach Erbstreit in den alleinigen Besitz der Markgrafen über. Sie blieben von da an Inhaber des hohen und niederen Gerichts am Ort, auch die Belehnung von Brombach konnte daran nichts ändern. Bauernvögte gibt es in Brombach spätestens von 1344 an. Das Basler Erdbeben (1356) zerstörte die Burg. Die Besitzer, die Herren Reich von Reichenstein, zogen sich nach der Zerstörung der Wasserburg nach Basel zurück.


Sowohl 1676 als auch 1678 wurde die Burg durch französische Truppen (mit fast dem ganzen Dorf) bis auf einem Turm zerstört und blieb Ruine, bis 1880 auf den Grundstück ein Schloss nach historischem Vorbild entstand. Mehr über die Geschichte Brombachs.


Grossmann Schloss (1880-1962)

Im Jahre 1880, als er vom Geschäft in Uhingen ausgeschieden war (s. oben), erwarb der Industrielle Emil G. Großmann das Ruinengrundstück und baute sich das heutige Brombacher Schloss. Der verbliebene Turm der ursprünglichen Burg wurde ins Brombacher Schloss integriert. Über das Schloss erzählt sein sohn Emil in seinem am 7.4.1944 verfassten Kurzmemoiren : „Im Jahre 1880 übersiedelten wir nach Brombach bei Lörrach (Baden), nachdem unser Vater aus dem Geschäft in Uhingen ausgeschieden war und eine Stellung in der Fabrik seiner Vettern in Brombach angetreten hatte. Dort wohnten wir wohnten in einem markgräflichen Schloss, das zum Teil noch aus Ruinen bestand, was natürlicherweise unserer kindlichen Phantasie bzgl. nächtlichen Spuks u.s.w. manchen Auftrieb gab“.

Das Schloss blieb Besitz der Familie Grossmann  bis 1962.


Sitz der Ortsverwaltung (1967)

Es wurde 1962 durch die Gemeinde von der Familie Großmann erworben und per Gemeindebeschluss 1965 umgebaut. Die Renovierung wurde 1966 beendet. Seit dem 10. Januar 1967, ist die Ortsverwaltung ebenso wie der Ortschaftsrat in den Räumlichkeiten untergebracht.

Der Schlossgarten wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Interessant ist der Chronikstein (Dieter Scheurer) im Schlosspark: zur 1200-Jahr-Feier dort aufgestellt berichtet er in Wort und Symbolen über die Geschichte Brombachs. Letzter Bürgermeister des eigenständiges Dorfes Brombach war von 1965 bis zur Aufgabe der Selbständigkeit Brombachs Franz Leber. Seit dem 28. Mai 1942 war das Amt des Bürgermeisters hauptamtlich. In der Amtsperiode ab 1971 stand dem Bürgermeister ein Gemeinderat von 16 Mitgliedern bei.

7.   Oederweg  115  (Frankfurt a. M.)

Das Haus wurde vom Ehepaar  Emil G.R. Grossmann / Maria de Chapeaurouge gebaut.


Über den Erwerb des Grundstücks und Bau des Hauses erzählt Emil G.R. Grossmann in seinem 1944 verfassten Kurzmemoiren :


"In [der Wohnung] der Eschenheimer Anlage erblickten unsere beiden Töchter Beatrice und Cecilia das Licht der Welt, und da es uns schien, dass wir doch nicht bei zwei Kindern halt machen würden und die Wohnung dafür zu klein war, überlegten wir uns, wie dem abzuhelfen sei.

Wir kamen zu dem Entschluss, uns wenn irgend möglich ein eigenes Haus zu bauen, um unabhängig zu sein.

Diese Gelegenheit bot sich, als im Jahre 1911 nach dem Tode des Freiherrn v. Holzhausen der Holzhausenpark aufgeschlossen wurde.

Als erster Käufer in dem für Einzelvillen vorgesehenen Block sicherte ich mir einen geeigneten Bauplatz. Im Jahre 1912 wurde unter Meister Löhnholds Hand der Bau begonnen; im März 1913 zogen wir stolz in das eigene Heim ein. [...]

Zu Hause gehörte ein kleiner Garten, der aber groß genug war, dass sich unsere beiden ältesten  Kinder  darin  tummeln  konnten,  ohne,  wie  man  in  Frankfurt  sagt,  auf  die  „Gass“  zu müssen. Auch für die sich allmählich hinzugesellenden Geschwister reichte er noch aus. In den ganz nach unseren Wünschen gebauten Räumen fühlten wir uns von Herzen wohl, und das Haus wurde  von  jedem,  der  es  betrat,  aufrichtig  bewundert.  Wie  manche  frohe  Stunde  haben  wir  in seinen vier Wänden im Kreise lieber Verwandter und Freunde verlebt. Die „Grossmannschen“ Gesellschaften standen überall in gutem Ruf."

 

Das Haus ist immer noch erhalten. Während des Krieges wurde es nicht zerbombt. Die Amerikaner versuchten die Zone um das IG Farben Areal wo sie ihr Hauptquartier anlegen wollten zu verschonen. Dennoch ist das Haus am 22.3.1944 fast vernichtet worden. Mehr als 3 Stunden lang kämpfte die ganze Familie Grossmann gegen das Feuer als eine Brandbombe auf dem Dachboden fiel. Am  26.9.1944 hatte die Familie wieder Glück als eine Bombe das Haus gerade vermied und im Garten explodierte. Das Haus bebte, eine Ecke des Sprechzimmers  wurde weggerissen. Am 26.4.1945 wurde das Haus durch die Amerikaner beschlagnahmt und die Familie musste gehen obwohl sie die schweizer Nationalität hatte. Sie lebte dann in der Feldbergstr. 51. Einige Jahre später wurde das Haus der Familie zurückgegeben. Sie wohnten aber nie mehr dort und verkauften das Haus.

 

Für mehr Bilder des Hauses, Beschreibungen, usw. s. die Memoiren von Emil G.R.  Grossmannn auf der Seite Familien Intern.

Cecilia und Beatrice Grossmann-de Chapeaurouge

1913, im Garten vor dem fertig erstelltem Haus im Oederweg

Haus am Oederweg : 8. März 1943

Emil G.R. Grossmans 70. Geburtstag

Haus am Oederweg

Diele

Holzhausen-Tor (im Hintergrund das Haus Oederweg 115)

Dreiteilige Toranlage des Neoklassizismus, um 1910 in der Originalform vom Ende des 18. Jahrhunderts erneuert, für den Parkzugang des Holzhausen-Schlößchens in der Achse der Kastanienallee.

(Quelle : Baudenkmäler im Nordend)

 

 

 

März 1978